Optimizing the Aging Brain? Situating Ethical Aspects of Dementia Prevention

Internationales ERA-NET NEURON Projekt 

Förderung:
BMBF - 01GP2120 

Fördersumme:
540.000 EUR (Standort UMG)

Laufzeit: 
01/2021 – 12/2024

Projektbeteiligte:

Projektpartner:

  • Prof. Dr. Annette Leibing, Université de Montréal Faculté des sciences infirmières
  • Dr. Alessandro Blasimme, ETH Zürich, Department of Health Sciences and Technology

Forschungshintergrund

Demenz wird mittlerweile als potenziell vermeidbare Krankheit verhandelt und ist zu einem zentralen Thema medizinischer und gesundheitspolitischer Präventionsbemühungen geworden. Infolge des demografischen Wandels und der erwarteten Zunahme von Demenzerkrankungen gewinnt Demenzprävention in Gesundheitspolitik, Epidemiologie, Gesundheitswissenschaften und Sozialmedizin zunehmend Aufmerksamkeit.

Laut dem Lancet-Report zu Demenzprävention von 2024 können 40% der Demenzerkrankungen verhindert werden, wenn 12 Risikofaktoren im Lebensverlauf effektiv adressiert werden. Obwohl aktuelle epidemiologische Studien eine Vielzahl medizinischer, lebensstilbedingter, sozialer und umweltbedingter Risikofaktoren für Demenz im Verlauf des Lebens identifiziert haben, konzentrieren medizinische, öffentliche und gesundheitspolitische Debatten zur Demenzprävention meist auf Verhaltensprävention und individuelle Verantwortung.

Die BEAD-Studie hatte zum Ziel, die ethischen, sozialen und medizinischen Voraussetzungen und Implikationen dieser aktuellen Demenzdiskurse in den Blick zu nehmen.

Forschungsinhalte

Die Untersuchung ist den Fragen nachgegangen, welche politischen Rationalitäten und wissenschaftlichen Paradigmen die aktuellen Diskurse zu Demenz und Prävention prägen und wie Stakeholder den gesundheitspolitischen Umgang mit Demenz verhandeln.

Das Forschungsprojekt wurde in Kooperation mit den Projektpartnern Dr. Alessandro Blasimme (ETH Zürich) und Prof. Dr. Annette Leibing (Université de Montréal) durchgeführt und zusätzlich durch einen NEURON ERA-NET Grant gefördert. Mit der interdisziplinären Ausrichtung konnte das BEAD-Projekt vielfältige Fachkompetenzen aus der Bioethik, der Medizinanthropologie und den Sozialwissenschaften zusammenführen und so einen intensiven interdisziplinären Dialog fördern.

Es wurden 60 Interviews mit relevanten Interessengruppen aus verschiedenen Bereichen (Neurolog/innen, Epidemiolog/innen, Patientenvertreter/innen, politische Entscheidungsträger/innen, Technologieentwickler/innen, Mediziner/innen und Pflegekräfte, Bioethiker/innen und Sozialwissenschaftler/innen) in Deutschland, Kanada und der Schweiz geführt. Wir haben einen halbstrukturierten Interviewleitfaden auf der Grundlage einer ersten Literaturrecherche sowie einer Analyse medizinischer, pflegewissenschaftlicher und öffentlicher Diskurse zur Demenzprävention entwickelt. Die strukturierten Fragen zielten darauf ab, das Wissen von Expert*innen zu Risikofaktoren für Demenz, internationalen Unterschieden in der Demenzprävention und der Gesundheitspolitik, Zuschreibungen von Verantwortung im Kontext der Demenzprävention sowie zur Rolle aktueller und zukünftiger Technologien zu erheben.

Forschungsziele

Untersuchung der ethischen, sozialen und medizinischen Voraussetzungen und Implikationen aktueller Demenzdiskurse

Analyse der ethischen und sozialen Hintergrundannahmen in Empfehlungen zu Lebensstil und und digitalen Technologien 

Analyse der Situiertheit des Demenzpräventionsdiskurses: Ländervergleichende Analyse, wie sich der wissenschaftliche Diskurs zur Demenzprävention in Deutschland, Kanada und der Schweiz entwickelt 

Diskussion der Präventionsansätze im Kontext aktueller sozial- und gesundheitspolitischer Paradigmen und kultureller Altersbilder

Zentrale Ergebnisse:

Das Projekt macht auf die die epistemischen und normativen Voraussetzungen aktueller Präventionsansätze aufmerksam.

Die Stakeholder betonen die Bedeutung staatlicher Verantwortung und populationsbasierter Präventionsmaßnahmen (Verhältnisprävention)

Forschungsergebnisse / Outreach

Niklas Petersen, Mattia Andreoletti, Alessandro Blasimme, Annette Leibing, & Silke Schicktanz (2026). Disentangling Responsibility: Perspectives on Dementia Prevention from Stakeholders in Canada, Germany, and Switzerland, Sociology of Health and Illness, Online-First: https://doi.org/10.1111/1467-9566.70126

Karina Korecky & Silke Schicktanz (2025). Unresolved ethical questions of mHealth apps for Alzheimer's disease prevention. Medicine, health care, and philosophy, 28(3), 473–485. https://doi.org/10.1007/s11019-025-10272-9

Annette Leibing, Silke Schicktanz, & Alessandro Blasimme, (2025). Social, ethical, and epistemological aspects of dementia prevention: the three-country BEAD study. Geriatrics Gerontology and Aging, 19. https://doi.org/10.53886/gga.e0000339_en

Annette Leibing, Cynthia Lazzaroni, & Niklas Petersen (2023). Emerging Technologies for Preventing the 'New' Dementia: Ambiguous Optimism in the Canadian Context. Medical Anthropology, 42(7), 607–622. https://doi.org/10.1080/01459740.2023.2244649

Mattia Andreoletti, Cynthia Lazzaroni, Niklas Petersen, Shingo Segawa, Annette Leibing, Silke Schicktanz & Alessandro Blasimme (2023). Optimizing the Aging Brain: The BEAD Study on the Ethics of Dementia Prevention. Journal of Frailty & Aging, 12:2, 111–116. https://doi.org/10.14283/jfa.2023.6

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